Interview Brainy – Automatisierung, KI, Cloud & Co – Was die Branche über morgen denkt

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Automatisierung, KI, Cloud & Co

Was die Branche über morgen denkt

Welche technologischen Entwicklungen sehen Sie aktuell als die größten Treiber der Digitalisierung im Rechnungswesen – und warum?

Der Paradigmenwechsel von KI-Assistenten zu KI-Agenten. Die größte technologische Entwicklung, die wir aktuell erleben, ist der Sprung von KI-Assistenten zu AI-Agents. Das ist keine inkrementelle Verbesserung, das ist ein fundamentaler Unterschied in der Arbeitsweise.

Warum Agenten alles verändern:

  1. Code Execution Environment: Der entscheidende Durchbruch

Agenten können nicht nur Text generieren, sondern programmieren. Durch die Integration einer Code-Ausführungsumgebung schreiben sie bei komplexen Berechnungen eigenständig Python-Code und analysieren damit die Daten.

Was das konkret bedeutet:

– Weniger Halluzinationen bei Zahlen: Der Agent rechnet exakt, statt zu schätzen

– Keine Tokensize-Limitationen: Statt nur Text-Ausschnitte zu verarbeiten, kann der Agent ganze Datensätze analysieren

– Format-Unabhängigkeit: Egal ob Word, Excel, PDF, JSON – der Agent verarbeitet alles nativ durch Code

  1. Integration in die bestehende IT-Infrastruktur

Der zweite große Vorteil: Agenten können mit Ihrer bestehenden Software-Infrastruktur interagieren. Das ermöglicht das Fernbedienen von Bestandssoftware über die KI-Software. Die KI wird nicht zum weiteren isolierten Tool, sondern zum Steuerungselement für die gesamte IT-Infrastruktur.

Konkret:

– Zugriff auf zentrale Dateisysteme (z.B. Nextcloud, SharePoint, usw.)

– E-Mail-Verwaltung über IMAP oder Microsoft Graph API

– Anbindung an ERP, CRM, Buchhaltungssoftware über APIs oder MCP‘s

Der Effekt: Der Agent arbeitet selbstständig definierte Prozesse ab – von Anfang bis Ende, ohne Medienbrüche.

  1. Autonome Prozessabwicklung – echte Zeitersparnis

Das Resultat: Eindeutige Zeitersparnis und Effizienzsteigerung.

Beispiel aus der Praxis: Update von 50 Verträgen nach neuer Rechtslage

– Manuell: ~25 Stunden (30 Min. pro Vertrag)

– Mit Assistent: ~10 Stunden (jeden einzeln instruieren)

– Mit Agent: ~1 Stunde (Befehl geben, Agent arbeitet autonom, Sie prüfen das Ergebnis)

Warum diese Entwicklung das Rechnungswesen revolutioniert:

– Präzision: Kaum Fehler bei Berechnungen und Datenverarbeitung

– Skalierbarkeit: Hunderte Dokumente werden genauso schnell verarbeitet wie eines

– Integration: Keine Insellösung, sondern orchestrierendes Element aller Systeme

– Autonomie: Selbstständige Prozessabwicklung mit menschlicher Kontrolle am Ende

Die Digitalisierung im Rechnungswesen wird nicht mehr durch einzelne Tools vorangetrieben, sondern durch intelligente Agenten, die als Schaltzentrale Ihrer gesamten IT-Infrastruktur fungieren. Das ist der fundamentale Unterschied – und genau deshalb ist dieser Entwicklungsschritt der größte Treiber der aktuellen Digitalisierungswelle.

Wie verändert Ihre Lösung die Zusammenarbeit zwischen Steuerberater:innen und Mandanten konkret? Können Sie ein Beispiel nennen, das den Unterschied verdeutlicht?

Aus Dokumenten-Pingpong wird strategischer Dialog.

Früher: Steuerberater führt Gespräch, macht Notizen, tippt später Protokoll, mailt es dem Mandanten, der antwortet mit Ergänzungen, zweite E-Mail-Runde…

Heute: Das Gespräch wird aufgezeichnet und transkribiert. Die KI erstellt automatisch ein strukturiertes Protokoll mit To-Dos, kategorisiert nach Dringlichkeit. Der Mandant erhält es noch während des Gesprächs.

Das Ergebnis:

– 75% weniger Zeit für Dokumentation

– Vollständige Gesprächsdokumentation

– Mehr Zeit für aktives Zuhören statt Notizen machen

Die Steuerberaterin konzentriert sich aufs Gespräch. Der Mandant fühlt sich verstanden. Das ist der Unterschied zwischen Administration und Wertschöpfung.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in Ihren Produkten heute? Wo sehen Sie die größten Potenziale für die nächsten fünf Jahre?

KI ist nicht das Feature – KI ist das Fundament. Heute: KI übernimmt Routineaufgaben wie Dokumentenanalyse, Vertragsvergleiche, Protokollierung und Recherche in Rechtsdatenbanken.

Die nächsten Schritte:

Seien wir ehrlich: Eine Fünfjahres-KI-Strategie zu entwickeln ist aus heutiger Sicht unmöglich. Die Entwicklung ist zu rasant, zu unvorhersehbar.

Aber die nächsten Schritte liegen klar auf der Hand: Autonome Agenten.

Der fundamentale Unterschied:

– KI-Assistenten: Warten auf Befehle, reagieren punktuell

– KI-Agenten: Erhalten Ziele, planen selbstständig, handeln proaktiv

Konkretes Beispiel:

– Assistent: „Fasse diese PDF zusammen“ → Text

– Agent: „Bereite das Mandantengespräch vor“ → Der Agent durchsucht Dateien, erstellt Agenda, identifiziert offene To-Dos, bereitet alles strukturiert vor

Die weiterführende Entwicklung: Spezialisierung. Agenten werden zunehmend autonomer und spezialisierter. Es wird Agenten geben, die für bestimmte Wirtschaftszweige oder Berufe optimiert sind – schnell, effizient, präzise. Das größte Potenzial: Zeit. Zeit für strategisches Denken, persönliche Beratung, Innovation.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Grenzen der Automatisierung? Welche Aufgaben bleiben auch künftig menschliche Expertise?

KI kann rechnen. Menschen können verstehen.

Was Agenten können:

– Dokumente analysieren und vergleichen

– Komplexe Berechnungen präzise durchführen

– Rechtliche Grundlagen recherchieren

– Workflows autonom planen und ausführen

Was Agenten nicht können:

– Die individuelle Situation eines Mandanten verstehen

– Abwägen zwischen rechtlich korrekt und unternehmerisch sinnvoll

– Vertrauen aufbauen

– Verantwortung übernehmen für Entscheidungen mit Konsequenzen

Deshalb: Human-in-the-Loop als Grundprinzip

Beispiel E-Mail-Agent:

  1. Agent erkennt Mandantenanfragen
  2. Recherchiert in Dokumentation
  3. Erstellt Antwortentwurf
  4. Entwurf landet in „Entwürfe“
  5. Sie prüfen und geben frei

Qualitätssicherung durch drei Schichten:

  1. Self-Correction: Agent prüft sein Ergebnis technisch selbst
  2. Human-in-the-Loop: Mensch prüft kritische Aktionen
  3. Iterative Verbesserung: Kontinuierliche Optimierung

Die Zukunft ist „KI für den Menschen“, nicht „KI statt Menschen“.

Datenschutz und Compliance sind zentrale Themen: Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Software rechtssicher und revisionsfähig bleibt?

Sicherheit ist nicht verhandelbar.

Drei eiserne Prinzipien:

  1. EU-Hosting der Agenten

– Daten verlassen niemals die EU

– Dauerspeicherung ausschließlich in Österreich

– Keine US-Cloud, kein Datentransfer

  1. Zero Data Retention (ZDR)

– Daten nur für Verarbeitung genutzt, danach sofort gelöscht

– Niemals für KI-Training verwendet

– Entkopplung: Speicherung (Österreich) getrennt von Verarbeitung (LLM)

  1. DSGVO-Konformität & AI Act

– Transparenz über Datenverarbeitung

– Nachvollziehbare Audit-Trails

– Kennzeichnungspflicht: Bei direkter KI-Interaktion (z.B. E-Mails) muss erkennbar sein, dass KI beteiligt ist

Privacy by Design: Datenschutz ist von Anfang an in die Architektur eingebaut.

Viele Kanzleien kämpfen mit Medienbrüchen und Schnittstellenproblemen. Wie adressiert Ihre Lösung diese Herausforderungen?

Die beste Schnittstelle ist die, die Sie nicht bemerken.

Unser Ansatz:

  1. Multimodale Verarbeitung

– Ein System, alle Formate: PDF, Word, Excel, Bild, Audio, Video

– Kein Export, kein Konvertieren

– Cloud Anbindung ermöglicht echte Datenverarbeitung (Python, SQL)

  1. Zentrale Datenhaltung

– Agent greift via WebDAV auf Dateisystem zu

– Granulare Berechtigungen über dedizierten Bot-User

Beispiel: „Erstelle Quartalsbericht aus allen Excel-Dateien in Ordner X“

– Agent verbindet sich, lädt Dateien, analysiert mit Python, erstellt Bericht, speichert zurück

– Ihre Arbeitszeit: Ein Befehl

  1. E-Mail-Integration als intelligentes Vorzimmer

– Agent überwacht Postfach (IMAP/Microsoft Graph)

– Klassifiziert: Spam? Support? Rechnung?

– Recherchiert in Wissensdatenbank

– Erstellt Draft

– Sie prüfen und geben frei

– Automatische Ablage im richtigen Ordner

  1. API-Integration

– Microsoft Graph: Outlook, Teams, SharePoint

– ERP, CRM, Buchhaltungssoftware

– Agent wird zur intelligenten Fernbedienung

Das Ziel: Sie arbeiten in einer Umgebung. Agenten orchestrieren alle Systeme im Hintergrund. Nahtlos, effizient, smart.

Welche Trends werden die nächsten fünf Jahre prägen – Cloud, KI, Plattform-Ökosysteme oder etwas anderes?

Alle drei – aber das Geheimnis liegt in der Kombination. Keines dieser Elemente für sich ist der Durchbruch. Die wirkliche Revolution entsteht durch ihre intelligente Verschmelzung – und die beginnt mit agentischen KI-Lösungen. Die Vision: Eine Fernbedienung für Ihre gesamte IT-Infrastruktur

Stellen Sie sich vor, Sie steuern alle Ihre Systeme – ERP, CRM, Buchhaltung, E-Mail, Dokumentenverwaltung – über eine einzige Oberfläche. Das ist der nächste logische Schritt, den KI-Agenten ermöglichen. Nicht mehr zwischen fünf Programmen hin- und herspringen. Nicht mehr Daten manuell übertragen. Sondern: Ein Befehl, der Agent orchestriert alle Systeme im Hintergrund.

Die entscheidenden Fragen der nächsten fünf Jahre:

  1. Wer liefert spezialisierte Agenten?

Es wird sich zeigen, welche Anbieter branchenspezifische, hochspezialisierte Agenten zur Verfügung stellen – für Steuerberatung, Recht, Medizin, Technik. Generalisten-Tools werden von Spezialisten-Agenten abgelöst.

  1. Wie weit gehen die großen Hersteller?

Die große Frage: Inwieweit werden SAP, Microsoft, DATEV, BMD & Co. die Integration von KI-Agenten in ihre Bestandssoftware ermöglichen? Offene Schnittstellen oder geschlossene Systeme das wird den Markt prägen.

  1. Prozessoptimierung als Erfolgsfaktor

Der kritische Punkt: Richtigkeit, Schnelligkeit und Effizienz der Agenten in echten Workflows.

Ein Agent, der theoretisch brillant ist, aber in der Praxis Ihre Prozesse nicht versteht oder falsche Ergebnisse liefert, ist wertlos. Die Qualität der Implementierung entscheidet über Erfolg oder Scheitern der KI-Ausrollung.

Ihre nächsten Schritte:

  1. Überdenken Sie Ihre Prozesse

– Welche Abläufe kosten am meisten Zeit?

– Wo entstehen Medienbrüche?

– Prüfen Sie Ihre Stammdaten auf Relevanz und Qualität

– Welche Tätigkeiten sind repetitiv und regelbasiert?

  1. Hinterfragen Sie Ihre Workflows

– Sind Ihre Prozesse überhaupt für Automatisierung geeignet?

– Welche Schritte müssen menschlich bleiben?

– Wo können Agenten die größte Wirkung entfalten?

  1. Optimieren Sie, bevor Sie automatisieren

– Ein schlechter Prozess wird durch KI nicht besser, nur schneller schlecht

– Strukturieren Sie Ihre Daten und Abläufe

– Schaffen Sie klare Verantwortlichkeiten

  1. Holen Sie sich vertrauenswürdige Partner

– Die Implementierung von KI-Agenten ist keine IT-Aufgabe allein

– Sie brauchen Partner, die Ihre Branche verstehen

– Die Workflows und Prozesse in funktionierende Agenten übersetzen können

Fazit: Integration schlägt Isolation. Die nächsten fünf Jahre gehören nicht einzelnen Tools oder isolierten Lösungen. Sie gehören intelligenten Plattformen, die über spezialisierte Agenten alle Ihre Systeme orchestrieren, vorausgesetzt, Ihre Prozesse sind dafür bereit. Wer jetzt seine Workflows und Stammdaten optimiert und die richtigen Partner wählt, legt das Fundament für die erfolgreiche KI-Integration von morgen.

Wie können Steuerberater:innen den Wert ihrer Beratung sichtbar machen, wenn Routinearbeiten zunehmend automatisiert werden?

Vom Zahlenjongleur zum strategischen Partner. Automatisierung ist keine Bedrohung – sie ist die größte Chance. Sie schafft Zeit für das Wesentliche.

So machen Sie Ihren Wert sichtbar:

  1. Positionieren Sie sich strategisch

– Nicht: „Ich mache Ihre Buchhaltung“

– Sondern: „Ich helfe Ihnen, klügere unternehmerische Entscheidungen zu treffen“

  1. Nutzen Sie gewonnene Zeit für Proaktivität

– Informieren über Gesetzesänderungen, bevor Mandant:innen fragen

– Zeigen Sie Optimierungspotenziale auf

– Denken Sie in Szenarien: „Was wäre, wenn…?“

  1. Machen Sie Automatisierung zum Gesprächsthema

– Zeigen Sie, wie Sie Technologie nutzen für bessere Betreuung

– Transparenz schafft Vertrauen und demonstriert Innovationskraft

  1. Dokumentieren Sie Mehrwert

– Regelmäßige Zusammenfassungen: „Das haben wir für Sie optimiert“

– Quantifizieren: „Durch unsere Beratung haben Sie X Euro gespart“

Mandant:innen zahlen nicht für Formulare ausfüllen. Sie zahlen für Sicherheit, Orientierung und kluge Entscheidungen. Automatisierung gibt Ihnen die Zeit, genau das zu liefern.

Welche Investitionen in Technologie lohnen sich aus Ihrer Sicht für Kanzleien sofort – und welche sind eher strategisch für die Zukunft?

Investitionen mit sofortigem ROI:

  1. KI-Assistenzsysteme

– Automatische Protokollierung, Dokumentenanalyse, Recherche

– ROI innerhalb weniger Wochen

– Durchschnittlich 10+ Stunden Zeitersparnis pro Woche

Strategische Investitionen:

  1. Plattformen mit Agenten-Fähigkeit

– Wachsen mit Ihren Anforderungen

– Vermeiden Abhängigkeit von einzelnen Tools

– Heute Assistenten, morgen Agenten

  1. System-Integrationen

– API-Anbindungen vorbereiten

– Zentrale Datenhaltung aufbauen

– Grundlage für autonome Workflows

  1. Mitarbeiter-Weiterbildung

– Die beste Technologie nützt nichts ohne kompetente Nutzer:innen

– Workshops und Schulungen zahlen sich langfristig am meisten aus

– EU AI Act fordert KI-Kompetenz explizit

Beginnen Sie mit Quick Wins (Assistenten), aber denken Sie modular (Plattform). So schaffen Sie sofortige Entlastung und bleiben flexibel.

Ihr wichtigster Rat an Kanzleien: Was sollten sie jetzt tun, um zukunftsfähig zu bleiben?

Fangen Sie heute an. Nicht perfekt, aber konsequent. Hören Sie auf zu planen – beginnen Sie zu handeln. Viele Kanzleien verbringen Monate mit der „perfekten“ KI-Strategie. Das ist wie Radfahren lernen durch Tutorials ansehen. Fahren lernen Sie nur durchs Fahren.

Die 3-Schritte-Formel:

  1. Starten Sie mit einem klaren Pain Point

– Welche Aufgabe kostet am meisten Zeit?

– Beginnen Sie dort. Nicht überall gleichzeitig.

  1. Schaffen Sie einen sicheren Experimentierraum

– Nutzen Sie DSGVO-konforme Tools

– Geben Sie Ihrem Team Erlaubnis zu testen

– Machen Sie aus Betroffenen Beteiligte

  1. Investieren Sie in Weiterbildung

– Technologie ohne Kompetenz ist wertlos

– Schulungen sind Investitionen, keine Kosten

– Fördern Sie eine Kultur der Neugier

Verstehen Sie KI nicht als Tool, sondern als Technologie. Es fragt Sie heute auch niemand, ob Sie Internet haben. Es wird als Technologie vorausgesetzt.

KI nimmt Ihnen nicht die Arbeit weg. Sie gibt Ihnen die Freiheit zurück, das zu tun, wofür Sie Steuerberater:in geworden sind: Menschen beraten!

Der beste Zeitpunkt, mit KI zu starten, war gestern. Der zweitbeste ist heute.

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