Nachgefragt: Ausbildung, Wissensmanagement und Lernen im Wandel

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Nachgefragt: Ausbildung, Wissensmanagement und Lernen im Wandel

Ausbildung und Fortbildung im steuerberatenden Beruf verändern sich spürbar: Wissen wird punktuell im konkreten Fall abgerufen, Lernen passiert immer öfter „im Arbeitsfluss“ und KI beeinflusst Recherche, Strukturierung und Entscheidungsprozesse. Gleichzeitig bleibt der Anspruch gleich: fachliche Tiefe, nachvollziehbare Begründungen und verlässliche Quellen.

Wir möchten daher Ihre Perspektive als Fachverlag einholen:
Wie entwickelt sich das Wissensmanagement für Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen – und wie verändern sich dadurch Inhalte, Verlagsprodukte und deren Einsatz im Kanzleialltag?

Frage 1:
Das Nutzungsverhalten hat sich stark verändert: weniger lineares Lesen, mehr punktuelle Nutzung im konkreten Problemfall – oft unter Zeitdruck.

Wie gelingt es, Inhalte schnell und einfach zugänglich zu machen, ohne dass das fachliche Verständnis und die notwendige Tiefe verloren gehen?

Im rechtswissenschaftlichen Bereich ist Präzision unverzichtbar. Deshalb setzen wir als juristischer Fachverlag auf eine klare inhaltliche Struktur, prägnante Orientierungshilfen und digitalen Zugang unserer Inhalte. Unser gesamter facultas Praktikercontent, wie zB der EStG Kommentar, die Handbücher Aufsichtsrat & Vorstand etc. sind in den juristischen Datenbanken RDB/Genjus KI, Lexis360 und LinDa digital verfügbar. Nutzer:innen finden so gezielt Antworten auf konkrete Fragestellungen, ohne auf wissenschaftliche Tiefe verzichten zu müssen.

Mit den mittlerweile mehr als 4.000 Lexis Briefings haben wir 2017 eine neue Kategorie der Steuerrechtsliteratur für unsere Recherchelösung etabliert. Besonders dabei ist, dass einerseits ein Thema kompakt und verständlich vermittelt wird, aber auch die Vernetzung der Inhalte untereinander, was ein profundes Wissensnetzwerk für tiefergehende Recherche ergibt. Komplexe Inhalte kurz, aber umfassend darzustellen ist eine hohe Kunst, dieses Format lebt von der Fachexpertise der LexisNexis Autor:innen.

Als Fachverlag gelingt uns der Spagat zwischen schneller Informationsvermittlung und fachlicher Tiefe durch die gezielte Kombination verschiedener Formate: Podcasts bereiten aktuelle Themen kompakt und verständlich auf, Fachzeitschriften liefern dank hoher Erscheinungsfrequenz rasch vertiefende Analysen. Seminare, Webinare und Tagungen ermöglichen interaktiven Austausch und direkte Einordnung. Abgerundet wird der Wissenstransfer durch Fachbücher und Kommentare mit inhaltlicher Tiefe und dennoch hoher Aktualität sowie durch Newsletter mit neuesten Informationen.

Wir möchten Inhalte unter Zeitdruck schnell zugänglich zu machen, ohne Verlässlichkeit und Tiefe zu verlieren. Wichtig ist eine intelligente Struktur: klare Kernaussagen, vertiefende Ebenen und nachvollziehbare Quellen. Gute Lösungen sind für uns solche, bei denen Nutzer:innen rasch eine Antwort finden und dieser auch fachlich vertrauen können. Genjus KI und MANZ-Noxtua be-reiten alle Antworten entsprechend mehr-schichtig auf, mit prägnanten Kernaussagen, vertiefender Erläuterung und kontextueller Quellen-Verlinkung.

Frage 2:
In vielen Kanzleien ist Wissen vorhanden, wird aber nicht konsequent im Alltag genutzt.

Wie muss Wissensmanagement in den Kanzlei Alltag eingebunden sein, damit es im Mandatsfall wirklich verwendet wird – von der Recherche über die Entscheidung bis zur Dokumentation und späteren Wiederverwendung?

Wissensmanagement muss nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden. Entscheidend sind intuitive digitale Lösungen, die relevantes Wissen genau dann verfügbar machen, wenn es benötigt wird – bei Recherche, Entscheidungsfindung oder Dokumentation. Strukturierte Inhalte, intelligente Verknüpfungen und eine einfache Wiederauffindbarkeit fördern die tatsächliche Nutzung im Kanzlei-All-tag und sichern zugleich nachhaltigen Wissenstransfer.

Unser AI-Assistent Protégé bietet ab Juli einen privaten, sicheren Datenraum, wo Sie wichtige Infos hinterlegen können, um diese dann zukünftig für die Weiterverarbeitung mit AI parat zu haben. Das können Formulierungsbestpractices oder zB Infos einer steuerrechtlichen Firmengestaltung eines Mandanten sein, die für zukünftige Antworten berücksichtigt werden sollen. Natürlich alles DSGVO-konform und mit Hosting in Europa.

Immer mehr Kanzleien beginnen, eigene Wissensplattformen aufzubauen, um sämtliche Dokumente, Prozesse, Abläufe etc. an einem zentralen Ort zu bündeln. Zudem besteht der Wunsch, dass auch Fachliteratur von diversen Anbietern, wie dem Linde Verlag, idealerweise über Schnittstellen in diese Lösungen integriert wird. Sogenannte Workspaces ermöglichen so Zugang zu allen Inhalten und sollen durch KI-gestützte Lösungen die Arbeitsabläufe erleichtern und den optimalen Workflow gewährleisten.

Wissensmanagement muss Teil des Mandatsprozesses sein, nicht ein separates System. Fachinhalte sollten dort verfügbar sein, wo gearbeitet wird: bei Recherche, Entscheidung, Dokumentation und Wiederverwendung. Dafür braucht es integrierte Arbeitsumgebungen wie MANZ-Noxtua, in denen relevantes Wissen, Vorlagen, Muster und passende Fachinhalte kontextbezogen eingeblendet werden. Fachinformation wird so vom statischen Text zur nutzbaren, entscheidungsorientierten Wissenseinheit.

Frage 3:
Gerade im Steuerberatungsbereich spielt Erfahrung und Fallverständnis eine zentrale Rolle.

Wie können KIgestützte Lösungen dieses Erfahrungswissen im konkreten Fall unterstützen, ohne dass Nutzer:innen Ergebnisse ungeprüft übernehmen?

KI kann Erfahrungswissen unterstützen, indem sie relevante Informationen, vergleichbare Fallkonstellationen und fundierte Quellen schnell zugänglich macht. Die fachliche Bewertung und Einordnung bleibt jedoch Aufgabe der Expert:innen. Entscheidend ist daher Transparenz: Ergebnisse müssen nachvollziehbar, überprüfbar und mit belastbaren Quellen verknüpft sein. So wird KI zum unterstützenden Werkzeug – nicht zum Ersatz professioneller Expertise.

Demnächst bietet unser AI-Assistent Protégé ein Tool, das nicht nur einzel-ne Schritte, sondern ganze Tätigkeiten automatisiert und ein Endergebnis liefert. Mittels voroptimierter Prozesse erreicht man dabei wiederholbare, konsistente und hochwertige Ergebnisse. Neben vielen vorkonfigurierten Automatisierungen können in Zukunft eigene Abläufe ohne Programmierkenntnisse selbst erstellt werden, um Ihren Erfahrungsschatz oder Bestpractices als wiederholbare Prozesse festzuhalten.

Der Einsatz von KI wird von vielen Steuerberater: innen positiv gesehen, vor allem wenn es um die Entlastung bei Routineund Recherchearbeiten, Texterstellung und Analyse geht. Dadurch gewinnt man mehr Zeit für die qualitativen Tätigkeiten. Wichtig ist jedoch, dass KI-generierte Ergebnisse stets kritisch geprüft werden, denn am Ende des Tages entscheidet immer noch die Steuerberaterin oder der Steuerberater, welche Lösung im konkreten Fall für die Klient:innen die bestmögliche ist.

KI sollte Erfahrungswissen nicht ersetzen, sondern strukturiert zugänglich und überprüfbar machen. Entscheidend ist ihre Rolle als Assistenzsystem, nicht als Entscheidungsinstanz. Der Mehrwert liegt in kuratierten, qualitätsgesicherten Inhalten und Datenbeständen, die im konkreten Fall Orientierung geben. Damit Ergebnisse nicht ungeprüft übernommen werden, müssen Antworten transparent sein und die zugrunde liegenden Quellen klar nach-vollziehbar offenlegen.

Frage 4:
Mit der stärkeren Nutzung KIgestützter Antworten wird die Quelle und Einordnung von Informationen noch wichtiger.

Wie stellen Sie sicher, dass Nutzer:innen sofort erkennen, woher eine Information stammt, wie aktuell sie ist und wie belastbar sie im konkreten Kontext eingeschätzt werden kann?

Gerade im juristischen und steuerrechtlichen Umfeld sind Transparenz und Nachvollziehbarkeit essenziell. Deshalb legen wir bei facultas großen Wert auf klare Quellenangaben, Aktualitätshinweise und eine nachvollziehbare Einordnung der Inhalte. Besonders wichtig ist es, dass Inhalte nicht nur in klassischen Datenbanken, sondern auch in KI-Tools korrekt zitiert werden, dadurch nachvollziehbar und kontrollierbar sind und konkret überprüft werden können.

Verlässliche, transparente Quellen sind das Herzstück unserer AI-Lösung Protégé.

Protégé kann auf einen großen Teil unserer professionellen, fundierten Rechtsliteratur zugreifen, diese ist die Basis für die generierten Antworten. Bei Protégé können Sie bei jedem AI-generierten Satz darunter die dafür herangezogene Literaturpassage ausklappen und per Klick zum Volltext in die Recherchelösung springen.

Mit unserer LinDa KI. Sie ist eine smarte Rechercheassistenz für Fachfragen zu Steuer, Wirtschaft und Recht im österreichischen Kontext und basiert ausschließlich auf Inhalten unserer Linde Datenbank LinDa. Alle Antworten werden somit direkt aus verifiziertem Linde-Content generiert. Die Ergebnisse sind nachvollziehbar, enthalten satzgenaue Quellenangaben und ermöglichen eine klare Einschätzung von Herkunft und Belastbarkeit der Informationen. Das wird von vielen User:innen sehr geschätzt und erhöht Transparenz, Qualität und Verlässlichkeit in der täglichen Anwendung.

Bei KI-gestützten Antworten sind Transparenz, Aktualität und Verlässlichkeit zentral. In unseren KI-Lösungen enthält jede Antwort/Zusammenfassung Zitate mit Verlinkung zu den relevanten Textpassagen im Original-Dokument aus der RDB. Die Fundstellen wiederum können direkt im System im Volltext eingesehen werden. Bei MANZ Genjus KI braucht man dazu kein eigenes Abonnement der RDB Rechtsdaten-bank. Grundsätzlich werden alle unsere Inhalte durch unser juristisches Fachlektorat validiert und kontinuierlich verbessert.

Frage 5:
Die Erwartungen an Fachinformation verschieben sich zunehmend hin zu integrierten, digitalen Lösungen im Arbeitsprozess.

Welche Veränderungen erwarten Sie für Fachverlage in den nächsten Jahren – und welche Rolle werden Verlage künftig im beruflichen Lernen und im Arbeitsalltag von Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen spielen?

Fachverlage entwickeln sich zunehmend von klassischen Contentanbietern zu integrierten Wissens- und Technologiedienstleistern. Künftig werden verlässliche Fachinformationen noch stärker direkt in digitale Arbeits-prozesse eingebunden sein – kontext-bezogen, personalisiert und KI-gestützt.

Gleichzeitig bleibt die kuratierte Qualität entscheidend: Verlage wie facultas schaffen Orientierung, sichern Aktualität, garantieren für korrekte Inhalte und unterstützen berufliches Lernen durch praxisnahe, vernetzte und jederzeit verfügbare Inhalte.

Die Zukunft gehört den Steuerberater:innen, die fachliche Exzellenz mit Top-Technologie verbinden. Als ein Teil der RELX-Gruppe, mit Sitz in London und 12.000 Technologie-Expert:innen in rund 40 Ländern haben wir einen globalen Blick. Unser Ziel ist es, dass die österreichische Steuerbranche bei neuen Technologien in der ersten Reihe steht. Mit unserer Literatur und unseren halbjährlichen Seminar Oberlaa-Inhalten begleiten wir das Steuer-recht und bieten eine fundierte Basis, um zB AI souverän nutzen zu können.

Für Fachverlage bedeutet die Entwicklung von Legal Tech und KI eine stärkere Verzahnung von Content, Technologie und Prozessen. Künftig geht es darum, Inhalte nicht nur bereitzustellen, sondern in digitale Arbeits- und Lernumgebungen zu integrieren und so echten Mehrwert im Berufsalltag zu schaffen. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Qualitätssicherung und den Umgang mit KI-generierten Inhalten. Klassische Formate bleiben wichtig, werden aber zunehmend durch flexible, digitale Lern- und Contentlösungen ergänzt.

Fachverlage entwickeln sich vom reinen Inhaltsanbieter zum Partner für digitale Arbeitsprozesse. Kommentare, Hand-bücher und Zeitschriften bleiben wichtig, werden aber durch integrierte Plattformen und Workflow-Tools ergänzt. Künftig geht es darum, Recherche, Entscheidung, Dokumentation und Lernen im Arbeitsall-tag nahtlos zu verbinden und Fachwissen praxisnah, intelligent und direkt nutzbar bereitzustellen.

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